Archives

Eisenpioniere

Eisenmangel ist so alt wie die Menschheit. Ein wichtiges Ursachenprinzip ist die Menstruationsblutung, bei welcher die Gebärmutter zum Taktstock des Mondes immer wieder Schleimhaut mit Blut und Eisen ausgeschieden wird. Würde man alle Menstruationstage im Lauf eines Frauenlebens zusammenzählen, käme man auf die ansehnliche Zahl von fünf bis sieben Jahren, während denen sie nonstop bluten müssen.

Verlorene Schleimhaut und ausgeschiedenes Blut kann vom Körper wieder selbst hergestellt werden. Das Eisen ist und bleibt aber für immer und ewig verloren. Deshalb brauchen es diejenigen Frauen immer dann wieder zurück, wenn es zu fehlen beginnt und Mangelsymptome auftreten. Der Menstruationskreislauf verlangt das verlorene Eisen zurück! Die Gebärmutter kann nicht einfach immer wieder uferlos Eisen ausscheiden, ohne es ja zurückzubekommen. Sonst beginnen die Frauen an Eisenmangelsymptomen zu leiden.

Es gab in den letzten Jahrhunderten einige Eisenpioniere, die das Bewusstsein für die Menstruation und den globalen Eisenmangel schärften und durch ihre Forschung die Menschheit immer näher ans Ziel brachte, den Eisenausgleichs zu verwirklichen. Die Geschichte des Eisenmangels wird im Berliner Lehrbuch von 1971 eindrücklich beschrieben.

Die eigentlichen Eisenpioniere sind diejenigen, welche endlich eine wirksame Eisentherapie ermöglichten. Bis vor hundert Jahren waren nur orale Eisenpräparate bekannt (zum schlucken). 1922 haben Eppinger und Stöhr erstmals intravenöse Eisensaccharose verabreicht. Allerdings hat sich diese Therapie damals nicht durchgesetzt. 1957 beschrieb Dr. F. Leibetseder an der Universitätsklinik Innsbruck erstmals das Eisenmangelsyndrom und seine einfache und wirksame intravenöse Eisentherapie. Innsbruck konnte sich damals auch nicht durchsetzen. 1971 veröffentlichte Prof. G. Brüschke von der Charité Universitätsmedizin Berlin sein wichtiges Lehrbuch über das Eisenmangelsnydrom, das vor allem Kinder und Frauen betrifft. Auch er hat auf die Vorzüge der intravenösen Eisentherapie hingewiesen. Aber auch damals konnte sich die Erkenntnis nicht durchsetzen. Es dauerte weitere fünfzig Jahre, bis IronCare beim Millennium in der Schweiz landesweit eingeführt werden konnte. Nach der Wiederentdeckung des Eisenmangelsyndroms in Basel durch Dr. B. Schaub wurde ein neuartiges Konzept für Diagnostik, Therapie und Prävention (Swiss Iron System) entwickelt, das sich in der Schweiz inzwischen landesweit etabliert hat.

Die Pioniere für die Diagnostik des Eisenmangelsyndroms und die Einführung des intravenösen Eisenausgleich sind: Eppinger, Stöhr (1922), Leibetseder (1957), Brüschke (1971) und Schaub (1998). Wenn wir es schon mit Pionieren zu tun haben: Die Schweiz ist zum globalen Eisenpionier geworden. Aufbauend aus den Erkenntnissen von Innsbruck, Berlin und vor allem der Swiss Iron Health Organisation SIHO konnten sich hierzulande das Eisenmangelsyndrom und sein intravenöser Eisenausgleich landesweit durchsetzen.

Die Schweizer Regierung hinterfragt seit 2015 die Notwendigkeit des Eisenausgleichs. Sobald sie der SIHO recht gibt, wird die Schweiz zur offiziellen Eisenträgerin oder Eisenbringerin. Das Überprüfungsverfahren soll 2018 abgeschlossen sein. Die Schweizer Regierung wird sich kaum gegen die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Innsbruck, Berlin oder SIHO stemmen können. SIHO geht davon aus, dass das Bundesamt für Gesundheit ihr Anliegen unterstützt, die Schweizer Eisenmangelpatienten als solche erkennen und mit Eisen heilen zu dürfen.

Sobald die Schweizer Regierung hinter IronCare steht, bekommt die zwanzigjährige Schweizer Eisenbewegung einen offiziellen Charakter. Dann ist der Machtwechsel vollzogen. Die Eisenmangelpandemie konnte nur deshalb entstehen, weil die Eisenmangelpatienten das ihnen fehlende Eisen nirgends erhalten (ausser in der Schweiz). Sobald die Schweizer Regierung den Eisenausgleich als angemessene Reaktion auf die Menstruation anerkennt, den Frauen und Kindern genug Eisen gönnt und unsere Eisentherapie unterstützt, wird sie zum globalen Eisenpionier werden. Die Welt wird auf die Schweiz gucken, wo sich die Eisentherapie gut sichtbar verbreitet wie ein Lauffeuer. Internet sei dank. Das Lauffeuer ist schon über die Schweizer Grenzen geraten, nämlich bis nach Deutschland, Österreich und Russland.

 

Eisenpräparate Eisensaccharose und Eisencarboxymaltose

Eisensaccharose ist ausserordentlich wirksam bei Eisenmangel, wenn sie intravenös angewendet wird. Es handelt sich dabei um das sicherste Eisenpräparat der Welt. Eisenmangelfrauen im Menstruationsalter benötigen durchschnittlich fünf Infusionen zu je 200 mg Eisensaccharose, zweimal pro Woche bis zum Erreichen der individuell notwendigen Gesamtmenge (Dosisberechnung mit 1152). Eisensaccharose kann auch bei Kindern angewendet werden. Eisensaccharose wird deshalb so gut vertragen, weil der Zuckermantel der Eisenatome aus Saccharose besteht, einem natürlichen Zucker.

Seit 2008 hat die Eisensaccharose Konkurrenz erhalten, nämlich die Eisencarboxymaltose. Der Zuckermantel der Eisenatome besteht aus Carboxymaltose, einem künstlichen Zucker. Der Vorteil der Eisencarboxymaltose gegenüber der Eisensaccharose liegt nicht etwa in einer besseren Wirksamkeit, sondern in der Einfachheit der Handhabung. Ein Gramm Eisen kann mit einer Infusion zugeführt werden, während dafür bei Eisensaccharose fünf Infusionen notwendig sind.

Der Nachteil der Eisencarboxymaltose ist ein deutlich erhöhtes Risiko für allergische Reaktione und weitere Nebenwirkungen, die bei Eisensaccharose so gut wie nie vorkommen.